Es kommt wieder die Urlaubszeit!
Viele unserer Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus, egal ob Kinder, Jugendliche oder Erwachsene, möchten im Urlaub fortfahren. Damit es ein schöner Urlaub wird, und der Aufenthalt ebenso wie die Hin- und Rückreise unproblematisch verlaufen, sollten aber einige Dinge besonders beachtet werden.
Vor der Abreise sollte man sich informieren, ob für das entsprechende Reisegebiet zusätzliche Impfungen nötig sind, und ob eine medikamentösen Prophylaxe (wie zum Beispiel die Malaria-Prophylaxe) erforderlich ist. Man sollte sich, besonders wenn die Reise in ‚exotische’ Gebiete gehen soll, erkundigen, wie das dortige Gesundheitssystem ist, ob es ein entsprechendes Diabeteszentrum gibt, ob in diesem Land auch notfalls die entsprechenden Insulinpräparationen, Spritzen, Pens, Pumpen und -zubehör, Teststreifen, etc. erhältlich sind.
Viele Reisen bedingen eine Zeitumstellung, die im Detail mit dem beratenden Arzt zu besprechen ist!
In manchen Ländern gibt es für uns unbekannte Nahrungsmittel und Speisen mit einem oft nur schwer abzuschätzenden Kohlenhydratgehalt.
In Ländern mit höherer Umgebungstemperatur ist zu bedenken, dass die Insulinresorption oft beschleunigt erfolgt.
Neben den für die Grenzformalitäten üblichen Dokumenten, wie Reisepass etc., ist es für einen Diabetiker wichtig, zusätzliche „Ausweispapiere“ mitzuführen.
So ist ein „Diabetesausweis“ in verschiedenen Sprachen sehr hilfreich, und eine Bestätigung über die Erkrankung (evtl. mehrsprachig), die auch die Notwendigkeit des Mitführens von Medikamenten (in fl üssiger Form), Nadeln und Spritzen beinhaltet, ist sehr wichtig! Auch an den Auslands-Krankenschein sollte man denken.
Eine zusätzliche Reise-Krankenversicherung, eventuell auch mit Rücktransport Versicherung, ist sicher ein Vorteil.
Nicht überall ist es möglich, im Falle einer auftretenden Hypoglykämie schnell etwas zum Essen zu bekommen. Es ist somit wesentlich, immer einen Vorrat an rasch resorbierbaren Kohlenhydraten mit sich zu führen.
Das Motto ‚der Weise hat das Seine immer bei sich!’ ist aber nicht nur bezüglich rasch wirksamer Kohlenhydrate empfehlenswert, sondern ganz besonders auch hinsichtlich Insulin, Glucagon, Medikamenten, Spritzen, Pens, Messgeräten und Streifen. Was nützt der Vorrat im Koffer, wenn dieser gerade auf dem Weg nach Australien ist …
Was gibt es nun besonders zu beachten?
Temperatur und Luftfeuchtigkeit
So angenehm es in der Passagierkabine im Flugzeug sein kann, so kalt kann es aber andererseits im Gepäcksabteil des Flugzeuges werden. Im Auto ist es durch den Fahrtwind oder die Klimaanlage erträglich, wenn sie aber im stehenden Auto abgeschaltet ist, beginnt es bei Sonnenschein heiß zu werden, bis zu 90 Grad sind keine Seltenheit! Andererseits kann es auch im kleinsten Hotelkühlschrank frieren.
Im Winter schützt ein Anorak auch nur innen vor der Kälte, in den Außentaschen ist es kalt… Kühlakkus sind zumindest anfangs gefroren, bei direktem Kontakt damit werden Flüssigkeiten recht rasch sehr kalt und können gefrieren.
In vielen Gegenden herrscht hohe Luftfeuchtigkeit, was Messgeräten und Teststreifen ebenso wenig gut tut, wie Regen, oder gar ein Sturz ins Wasser!
Insulin
sollte zwar prinzipiell bei 4-8° gelagert werden (also im Kühlschrank), kann aber beim Verbrauch bei ‚Raumtemperatur’ aufbewahrt werden, und ist insgesamt prinzipiell ‚tropentauglich’. Insulin verliert erst bei höheren Temperaturen langsam seine Wirkung.
Sehr hohe Temperaturen, wie sie im Auto oder bei direkter Sonneneinstrahlung auftreten (z.B. in einer Tasche am Strand, etc.), führen jedoch zu einem relativ raschen Abfall der Wirkung des Insulins und sollten deshalb vermieden werden. Auch direkte Sonnenbestrahlung ist für das Insulinmolekül schädlich.
Noch gefährlicher aber sind für Insulin tiefe Temperaturen und hier insbesondere Frost. Einmal gefrorenes Insulin ist praktisch wirkungslos!
Es sollte deswegen Insulin zwar vor hohen Temperaturen geschützt werden, keinesfalls aber zum Beispiel direkten Kontakt mit Kühlbeuteln haben!
Kühltaschen, Styroporbehälter oder eine Thermoskanne leisten gute Dienste. Im Winter sollte Insulin (z.B. im Pen) direkt am Körper getragen werden.
Insulin-Ampullen oder –Kartuschen, in denen Schlieren oder Flocken sichtbar sind, oder die eine Farbänderung zeigen, sollten keinesfalls weiter verwendet werden.
Auch Glucagon soll nicht länger über 30 Grad gelagert und sollte notfalls nach der Reise ausgetauscht werden, Ähnliches gilt für Teststreifen. Hier ist der Temperaturbereich im Beipacktext der entsprechenden Streifen angegeben. Aber auch hier gilt prinzipiell,
dass besonders Frost und starke Hitze, aber auch Luftfeuchtigkeit schädlich sind. Die Teststreifenbehälter sind stets wieder fest zu verschließen!
Die Geräte, hier besonders Blutzuckermessgeräte und Pumpen, sind ebenfalls feuchtigkeitsempfi ndlich und meist nicht wasserfest! Sie haben unterschiedlichen Energiebedarf, der durch Batterien oder Akkus gedeckt wird.
Die meisten Batterien und Akkus sind temperaturempfindlich und die Hersteller geben optimale Temperaturbereiche an. Die üblichen Batterien, z.B. vom Typ AA oder AAA, oder Knopfbatterien, haben einen optimalen Wirk-Bereich von -5° bis +40°. Nickel-Cadmium-Akkus können zwischen -40° und +60° verwendet werden, Nickel-Metallhydrid-Akkus zwischen +10° und +35°. Lithium-Ionen-Akkus können zwischen -10° und +40° verwendet werden.
Insgesamt: Herstellerhinweise beachten und Gebrausanweisungen lesen! Reserve-Akkus mitnehmen und bei Raumtemperatur aufbewahren; Laden der Akkus ebenfalls am besten bei Raumtemperatur!
Gute Reise und schönen Aufenthalt!
Autor
Univ. Prof. Dr. M. Borkenstein
Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Graz





